Browns – Der Weg ans Ende der NFL

Von Gastautor ALF @ApolloLFalke

Für meinen ersten Artikel ist es natürlich heikel, aber ich lege mich auf eine These fest:

Die Cleveland Browns sind das schlechteste Team der NFL!

Als drittes Team seit dem Merger 1970 verloren die Cleveland Browns alle Spiele einer Regular Season! Zuletzt war dies 2008 der Fall, als die Detroit Lions als bisher einziges Team eine 0-16 Saison hinlegten. Dabei gab es eine recht ironische Duplizität, denn sowohl die 2008er Lions als auch die 2017er Browns gewannen alle vier Spiele der Preseason.

Als erstem Team “gelang” den Tampa Bay Buccaneers eine Spielzeit mit einem Whitewash. Und zwar in ihrer Debütsaison – noch mit 14 Spielen in der Regular Season. Nach zwölf Niederlagen in der Folgesaison, gelang dann schließlich und endlich der erste Sieg.

Somit hielten die Piraten aus Florida lange Zeit einen wenig begehrten Rekord, nämlich den, dass sie in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten jeweils mit 0-12 starteten.

Dies wurde nun von den Browns über- oder vielleicht eher unterboten.

Zweimal in Folge verlor die Mannschaft von Hue Jackson die ersten 14 Spiele einer Saison. Und das, obwohl sich der Coach vor der Saison zu einer leichtfertigen Aussage verstieg, nach der man nicht noch einmal so schlecht abschneiden würde wie in der Vorsaison.

Den Rekord für die meisten Niederlagen am Stück halten allerdings nach wie vor die Buccaneers, zumindest für die Nach-Merger-NFL. Von den 26 verlorenen Spielen am Stück sind die Browns noch neun Spiele entfernt.

Man sollte meinen, dass die frühen Picks der letzten Drafts die Browns in die Lage versetzen sollte, eine bessere Mannschaft auf die Beine zu stellen. Aber das gelang bereits in dieser Saison nicht. Mit dem Pick Nummer eins, natürlich dem Erstauswahlrecht in den weiteren Runden und zusätzlichen ertradeten weiteren First-Round-Picks, stellte man ein Team zusammen, dass kein Spiel gewann!

In der neuen Saison hat man neben den jeweils ersten Picks in den ersten fünf Runden zusätzlich noch den First Rounder der Texans, jeweils den Second Rounder der Texans und der Eagles, den Fourth Rounder der Panthers und den Fifth Rounder der Chiefs zur Verfügung.

Dass man den Draft vermasselt, hat in Cleveland schon Tradition.

Bereits 1999 und 2000 war man in der Situation, zweimal in Folge den Pick Nummer Eins inne zu haben. Mit Quarterback Tim Couch und Defensive End Courtney Brown produzierte man veritable Draftbusts.

Neben den Picks an sich, bewies man auch gern in anderer Weise, dass die Draftlotterie, dieses mythische Wesen für die Browns, vielleicht eine Nummer zu schwer sein könnte.

Der Pick Nummer zwei, mit dem die Eagles in 2016 Carson Wentz drafteten, gehörte ursprünglich den Browns. Ganz abgesehen von der Klasse eines Carson Wentz ging der Junge in North Dakota aufs College. Dort ist es kalt. Die Browns wählten dann in der dritten Runde Quarterback Cody Kessler von der University of Southern California. Dort ist es warm. Wie auch in Texas, wo 2014er Draftflop Johnny Manziel am College spielte.

Nicht, dass das gewohnte Wetter der wichtigste Auswahlpunkt für einen Spieler ist – zum Beispiel spielt der Kalifornier Aaron Rodgers ganz gut im kalten Green Bay – aber wenn man sowieso Probleme bei der Integration von Spielern hat, ist es manchmal ganz gut, solche Probleme von vornherein zu minimieren. Protipp: in Cleveland ist es im Winter sehr kalt.

Ein Konzept, dass in Cleveland möglicherweise bald besser verstanden wird. Nämlich dann, wenn Hue Jackson seine Ankündigung wahr machen würde und in den Eriesee steigen sollte.Das war die Ansage für den Fall, dass man sich von 2016 auf 2017 nicht verbessern würde…

Dabei waren die Browns über mehrere Jahrzehnte nicht diese von vielen Seiten verlachte Losertruppe!

Tatsächlich verläuft die Trennlinie entlang der Pause, welche die Browns von 1996 bis 1998 von der NFL nahmen. Vielleicht hatten die Steelers-Fans recht, die vor ein paar Jahren bei einem Spiel gegen die Baltimore Ravens ein Plakat zeigten, auf dem stand: “You’re still Cleveland. You still stink.”

1995 erkannte Browns-Besitzer Art Modell, dass sein Stadiondeal mit der Stadt Cleveland für ihn finanziell extrem negativ ausfiel, nachdem die Cleveland Indians aus der MLB, das Stadion verlassen hatten. Danach wollte er das Team, entgegen eines gegebenen Versprechens, umsiedeln. Weil ein Umzug in der Liga unter den Ownern nicht erwünscht war, entwickelte man ein bis dato nie dagewesenes Modell, um die Wünsche Art Modells in die Tat umzusetzen. Zwar ging das Team nach Baltimore, doch der Name und die Geschichte der Franchise verblieb in Cleveland, mit der Garantie, dass man ein anderes Team an den Eriesee umsiedeln dürfe oder ein Expansionteam bekäme.

Somit waren die Baltimore Ravens auf dem Papier ein neues Team, welches aber aus Front Office und Mannschaft der Browns bestand, die zu dem Zeitpunkt zu den besseren Clubs der NFL gehörte. Coach Bill Belichick ging zwar nicht mit nach Baltimore, hatte aber eine gute Basis geschaffen. In der Folge gewannen die Ravens zwei Super Bowls und erreichten viele weitere Male die Playoffs.

Die neuen Browns, die auf dem Papier eine lange Geschichte hatten, aber de facto eine ganz neue Franchise waren, spielten bis heute nur zwei Winning Seasons und erreichten ein einziges Mal die Playoffs.

Die alten Browns waren ursprünglich ein absolutes Gewinnerteam mit insgesamt acht Championships!

In den ersten fünf Jahren im professionellen Football gewannen sie immer die Meisterschaft. Von 1946 bis 1949 alle Austragungen der All-American Football Conference.

Aus dieser Liga blieben uns neben den Browns auch noch die San Francisco 49ers bis heute in der NFL erhalten.

Nach dem Wechsel gewannen die Browns sofort die NFL-Meisterschaft. In den Jahren bis 1964 folgten drei weitere Titel.

Seitdem warten die Braunhelme allerdings auf einen weiteren Titel, waren aber nach schwachen Siebzigern im folgenden Jahrzehnt ein echter Contender. Mit Quarterback Bernie Kosar, Tight End Ozzie Newsome, bis heute Receiving Leader der Browns, und Linebacker Clay Matthews Jr., dem Vater von Packers Clay Matthews III., erreichte man drei Mal das AFC Championship Game. Dort verlor man unter teils dramatischen Umständen jeweils gegen John Elways Denver Broncos. Danach gab es vor dem Umzug noch eine Saison in den Playoffs mit Coach Bill Belichick, der nicht mit nach Baltimore gehen wollte und stattdessen Defensive Backs Coach der New England Patriots wurde.

Belichick gelang damals mit den Browns sein erster Playoff-Sieg als Headcoach. Für die Browns wiederum sollte es der letzte sein.

Seit der Neugründung scheinen die Browns unter einem Fluch zu stehen.

Es wird sich in der Zukunft zeigen, ob man diesen ablegen kann. Mit den Draftpicks Nummer eins und vier sollte nach der 0-16 Saison Schwung in den Neuaufbau kommen.

Eigentlich… Denn bei den Browns weiß man nie. In den letzten vier Jahren hatte man ganze acht First-Round-Picks. Bisher hat sich dieser Vorteil noch nicht in sportlichen Erfolg umgemünzt, aber eine gewisse Substanz im Kader wurde doch geschaffen. Wenn jetzt gut gedraftet wird und vielleicht noch der große Capspace in sinnvolle Free Agents investiert wird, geht vielleicht doch bald mal was.

Zumindest kann es diesmal wirklich nicht mehr schlechter werden.

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